Den Tip für meinen Iwan habe ich von meinem langjährigen Ural - Berater Martin bekommen. Unter www.leningradautomobile.com fand ich einen Ural, der als Panzerwerkstatt im Zuge des Verkaufs von 89 Panzern vom Typ T72 Anfang der Neunziger Jahre nach Finnland gekommen war. Und er stand genau so da, wie ich ihn haben wollte, mit dem LAK2, original Anbauten, mit den Staukästen unterhalb des LAK2, usw.!

Hier einige Bilder der Verkaufsanzeige:





Dann habe ich per Email Kontakt aufgenommen, den Preis noch gut runter handeln können und schließlich Anfang August eine Anzahlung vorgenommen. Und letzten Mittwoch war es nun soweit.

Ein guter Freund hat mich Vormittags zum Flughafen nach Stuttgart gefahren und bin ich mit Air Berlin mit Zwischenlandung in Berlin nach Helsinki geflogen. Dort hatte ich über das Internet im Holiday Inn Airport Hotel ein Zimmer gebucht und die Nacht verbracht.



Am Donnerstag Vormittag wurde ich von Matti, dem Verkäufer abgeholt. Der Flughafen ist ziemlich weit außerhalb im Norden von Helsinki. Wir fuhren dann in Richtung Westen und dann irgendwo ab ins Nirgendwo bzw. in die Pampa. Ich dachte schon, wo bin ich eigentlich, wenn was passiert, habe ich keine Chance.

Doch dann kamen wir an einen alten Bauernhof, an dem viele alte Militärfahrzeuge rumstanden, u.a. auch mein Ural.








Der Uri ist 2008 von der finnischen Armee ausgemustert worden. Laut vorliegenden Fahrtenbuch sind bis 2006 ca. 1000 km jährlich gefahren worden. Bei Leningradautomobile wurde er ca. 3000 km ab 2008 bewegt und kurz vor meiner Ankunft wurden noch sämtliche Öle gewechselt und noch eine längere Ausfahrt von ca. 400 km unternommen.

Nach unserer Ankunft habe ich mir meinen Iwan ausgiebig angesehen und gemeinsam mit Matti, dem Verkäufer, eine Probefahrt gemacht. Bei der folgenden Kontrolle des Motors habe ich gesehen, dass die Dieselrückführung ziemlich stark leckt. Nach einem Beratungstelefonat mit meinem Ural - Berater Martin haben die Jungs vor Ort auf der kompletten linken Zylinderbank die Dieselrückführung erneuert.



Danach habe ich wieder eine Probefahrt gemacht, diesmal alleine, damit mir Matti nicht dazwischenfunken konnte.

Alles war soweit in Ordnung, also Deal! Ich war nun Besitzer eines Urals, ist das geil, oder ist das geil?!?!?!?!

Ich habe mich noch mit einer großen Literflasche Wodka für die wirklich reibungslose Abwicklung des Geschäftes bedankt, was mir die dauerhafte Freundschaft der dortigen Jungs gesichert hat. Im übrigen auch inclusive dem Angebot, sich um die Ersatzteilversorgung zu kümmern.



Danach hat mich Matti (der im schwarzen T-Shirt im Hintergrund des Koffers) zur Fähre gebracht. Er ist den Uri gefahren und nach ca. 60 km waren wir dann am Dock. Er hat sich um die Formalitäten im Portforum gekümmert, so dass alles optimal gepasst hat. Nachdem er mich noch zur Fähre gebracht hatte, habe ich mich in die lange Schlange der wartenden LkW's eingereiht und erst einmal mich entspannen können. Viele der wartenden LkW - Fahren kamen aus den baltischen Staaten bzw. waren Russen, so dass sie ziemlich schnell zu mir und meinem Ural kamen. Schon nach kurzer Zeit hatte ich viele angenehme Gespräche mit den Kollegen. Gott sei Dank kann ich ein bisschen Russisch!





Gegen halb sieben kamen dann in einer langen Schlange die "normalen" Touristen vorbeigefahren und wurden auf die Fähre gebracht. Da bin ich mit meinem Iwan absolut aufgefallen und fast alle haben sich die Nasen an ihren Autoscheiben platt gedrückt. OOOOh, was ist das denn??!?!?!??!??! Nach den Touris durften wir mit den LkW's auch auf die Fähre fahren, die Super Fast VIII.



Die Auffahrt auf das obere Parkdeck war schon die erste "Mutprobe", da die Rampe sehr schmal gewesen ist. Aber der Uri hat doch eine schmale Hüfte! (... im Gegensatz zu mir!)



Um 19:30 Uhr Ortszeit hat die Super Fast VIII abgelegt und die Ausfahrt aus dem Hafen von Helsinki ist alleine wegen der vielen Schären sehenswert.



Die Überfahrt nach Rostock war eher unspektakulär und ohne heftigen Seegang, ich habe die Zeit genutzt und für meine anstehenden Prüfungen zum Zertifizierte PM - Trainer (GPM) gelernt. Insgesamt dauert die Überfahrt von Helsinki nach Rostock 27 Stunden, so dass wir planmäßig um 21:30 Uhr in Rostock angekommen sind. Bei der Einfahrt nach Warnemünde war ein sehr schöner Sonnenuntergang, den ich Euch nicht vorenthalten möchte:



Beim Entladen von der Fähre war es wieder so eine Aufregung, da ich die gleiche schmale Rampe wieder runterfahren musste. Bei der Ausfahrt aus dem Hafengelände standen die Freunde der Rennleitung rum, Gott sei Dank haben sie nur "geglotzt" und mich in Ruhe gelassen. Der erste Stop war an der Tankstelle:



Getankt habe ich ca. 150 Liter Diesel und dann bin ich so gegen 22:00 Uhr gestartet. Vorher habe ich noch bei meinem Schwiegervater angerufen und mich wieder in Deutschland zurückgemeldet. Es lagen ca. 1000 km vor mir und als Zwischenstopp war nach ca. 450 km eine Übernachtung (Schlafpause) in Northeim bei meinen Schwiegereltern geplant.

Zu Beginn bin ich sehr verhalten gefahren. Ca. 1800 Umdrehungen und damit ca. 65 km/h. Die Geräuschkulisse war enorm, es krachte, schepperte und klapperte an allen Ecken des Führerhauses. Dazu kamen das Dröhnen des Motors und die lauten Abrollgeräusche der Reifen. Mensch, sind das Heulbojen! Aber der Uri fuhr immer entspannter und der Motor schnurrte vor sich hin. Hinter Lübeck bin ich dann etwas mutiger geworden und habe die durchschnittliche Drehzahl auf 2000 angehoben. Damit war ich mit ca. 70 km/h unterwegs. Das habe ich dann bis Hannover durchgehalten und dann sehr mutig die Drehzahl auf 2200 erhöht und konnte ca. 75 km/h damit fahren. So genau kann man die Geschwindigkeit sowieso nicht ablesen, da der Zeiger immer einen Ausschlagskreis von ca. 15 km/h hat. Ist halt ein Zappelphillip!

Um 05:00 Uhr hatte ich die erste Etappe erfolgreich und ohne besondere Vorkommnisse geschafft und ich habe den Uri zu seiner wohlverdienten Pause vor dem Haus meines Schwiegervaters in Northeim abstellen können. Dann direkt in's Bett und bis 12:00 Uhr geschlafen.

Selbstverständlich habe ich dann meinem Schwiegervater den Iwan zeigen müssen und dann kamen auch noch die Großeltern meiner Frau. Ihr Großvater ist viele Jahre als Berufskraftfahrer mit einem ZIL 157 unterwegs gewesen und kam ins Erzählen und Schwärmen, als er den Ural sah.





Um 13:30 Uhr bin ich am Samstag ins Auto gestiegen und bin auf meine letzte Etappe über 550 km über Fulda, Würzburg, Heilbronn und Stuttgart zu mir in den Zollernalbkreis aufgebrochen. Aber zuerst habe ich an der Tankstelle angehalten und den Tank wieder voll gemacht. Besonders hat mich natürlich interessiert, wieviel mein Iwan so verbraucht.



Getankt habe ich ca. 150 Liter und bei gefahrenen 450 km macht das einen Verbrauch von rund 33,5 Liter / 100 km. Ich hatte mit ca. 35 Litern gerechnet, so dass ich zumindest über den Verbrauch nicht beunruhigt bin.

Über die B3 bin ich nach Göttingen und dort wieder auf die A7. Die folgenden Kilometer über die Kasseler Berge bis zum Kirchheimer Dreieck waren für den Ural die erste wirkliche Belastungsprobe. Schafft er die Berge, wird er nicht zu heiß, muss ich im zweiten Gang die Berge hochschleichen, wie wird es?????

Und ?????? Es war völlig entspannt! Der Iwan ist die Berge hochgekrabbelt, es war eine Freude. Das Kühlwasser war nie wärmer als 70 Grad, ich musste maximal mal in den 3. Gang zurückschalten und konnte so zügig fahren. Nach einer kurzen Rast am Rasthof bei Homberg / Efze war ich schon um 16:45 am Autohof an der Autobahnabfahrt Fulda Nord. Dort habe ich eine kleine Pause gemacht und mich mit Martin, meinem Ural - Berater zur Begutachtung des Lasters getroffen. Von ihm sind auch die beiden folgenden Fotos:





Am Autobahndreieck Schweinfurt - Werneck bin ich dann wegen dem Ferien - LkW - Fahrverbot von der A7 runter und über mir bekannte Landstraßen und quer durch Würzburg gefahren. In Würzburg war ich noch einmal tanken und habe 105 Liter in den Tank reingelassen. Dann wieder auf die A81 und über Heilbronn und Stuttgart in den Zollernalbkreis. Der Uri lief die Berge hoch und runter, zwischen Heilbronn und Stuttgart brauchte ich in den Bergen nicht einmal runterschalten, es war der Wahnsinn. Das Auto fuhr von Kilometer zu Kilometer besser.

Kurz vor 24:00 Uhr bin ich dann bei mir auf dem Hof gewesen. Nach insgesamt gefahrenen 988 km und reiner Fahrzeit (Pausen sind abgezogen) von ca. 16 Stunden hatte ich es geschafft und meinen Iwan gut nach Hause gebracht.






Bis November 2010 stand er so vor unserem Haus und dann habe ich ihn nach Albstadt-Ebingen zu unserer Schrauberhalle gebracht. Leider passte er nicht in die vorgesehene Schrauberbox, so dass ihn erst einmal am Hallenrand abgestellt habe. Überdacht, trocken und außerhalb der Sichtweite von irgendwelchen Straßen hat er so den Winter verbracht.



Ab Mai 2011 habe ich eine neue Schrauberhalle in Oberndorf a. Neckar, dort habe ich mehr Platz und neue Freunde, die mir bei der Überholung und dem Ausbau helfen werden.